Helden und Diebe – Unterschiede der modernen Mittelaltergewandung

Das Mittelalter scheint uns heute einerseits sehr weit entfernt, andererseits zieht es auch viele Menschen immer wieder stark in seinen Bann. Wenn irgendwo ein mittelalterlicher Markt stattfindet, kann man sicher sein, dass er ein Magnet ist. Worum es dabei aber wohl weniger geht, ist ein reales Eintauchen in eine längst vergangene Zeit. Es geht vielmehr um den Spaß daran, dass Kleidung, die man im Mittelalter getragen hat, Schmuck, den man trug, Essen und die Getränke, die man konsumierte, so ganz „anders“ sind.

Andreas von Schwarzenfells als "König Artus"Wenn man sich die Kleidung der Menschen ansieht, die auf Mittelalter-Märkten so gelungen in Szene gesetzt wird, wird deutlich, dass die Rollen, die sich in der Kleidung widerspiegeln, dankenswerter Weise passé sind. Im Mittelalter war es eben klar zu unterscheiden, wer wo „stand“, welchen Standes er buchstäblich war. Prinzessin oder Magd? Die Kleiderordnung, die im Mittelalter strikt eingehalten wurde, spielt heute keine Rolle mehr. Und so sieht man auf Märkten, die noch einmal in diese Zeit eintauchen, Frauen, die sich völlig freiwillig als Magd gewanden, weil sie es im Alltag natürlich nicht sind, sondern als Lehrerin oder Architektin ihr Geld verdienen.

Fortschritt lässt sich eben auch am Spiel mit den Rollen, mit Kleidung ablesen. Heute ein Bettler, morgen ein Prinz. Darum liebeAndreas von Schwarzenfells als "Deutschordensritter"n viele Freunde des Mittelalterlichen sowohl die Märkte als auch Vereine, in denen man mittelalterliche Szenen nachstellt. Das alles ist ein großer Spaß, keine Ständevorschrift zwingt den modernen Menschen mehr dazu, dieses oder jenes zu tragen. Dass es im Berufsleben auch „Dress-Codes“ gibt, steht außer Frage, aber diese sind offen, und die zugrunde liegenden Hierarchien sind flach. Mittelalterliches, das steht darum für vieles: für das Gefühl, heute in einer aufgeklärten Welt ohne Oben und Unten zu leben, dafür, dass man Rollen und Kostüme variabel wechseln kann und natürlich für die Freude an der Verkleidung. Letzteres ist ganz sicher sogar der Hauptgrund für die Popularität des Mittelalterlichen.

Andreas von Schwarzenfells als "Strauchdieb"Wer sich auch heute noch gern gewandet wie die Mägde im Mittelalter, wie die Landstreicher aus längst vergangenen Zeiten oder wie die Adligen und Prinzessinnen im 12. Jahrhundert, der findet bei genauer Suche auch heute noch die eine oder andere Anlaufstelle für schöne Mittelalter-Kleidung und Requisiten. Der Onlineshop larp-fashion.de bietet beispielsweise eine wohlsortierte Kollektion an Kleidung rund um die Mittelalter-Szene und verschiedensten LARP-Accessoires. Wer noch einmal in die Vergangenheit zurückreisen und in die Geschichte eintauchen möchte, kann hier auf der Suche nach der passenden Gewandung fündig werden.

Text: Silke Zink

Bilder: Andreas Hoffmann
Hinweis: die dargestellte Gewandung ist nicht über den o.g. Onlineshop erhältlich.

Anbei eine Bildergalerie mit verschiedenen Gewandungsbeispielen aus unterschiedlichen Ständen aus dem Mittelalter

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4 Antworten auf „Helden und Diebe – Unterschiede der modernen Mittelaltergewandung“

  1. Wie schön, gerade vor ein paar Tagen bin ich über diesen Blog gestolpert, und jetzt kommt schon ein neuer Post – und noch dazu ein passender, wo ich doch zu Zeit grad immer wieder an der Nähmaschine sitz um mich neu auszustaffieren!
    Ich kann dem Artikel nur zustimmen, die Gewandung ist mit Sicherheit das Reizvollste an der Mittelalter-Szene. Burgfäulein/Ritter/Magd für einen Tag zu sein, macht auf jeden Fall Freude und ist eine Abwechslung zum Alltag!
    Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl wenn man ein solches Kleid trägt. Ich spiele Harfe, und wenn ich in Gewandung spiele, sitze ich automatisch gleich ein Stück aufrechter 🙂
    Ich freu mich auf weitere interessante Artikel, schöne Grüße aus Bayern!

    Katja

    1. Hallo Katja,

      ja, ich hatte etwas Pause weil wenig Zeit usw. aber jetzt geht es wieder weiter mit frischen Blogbeiträgen. Ich wünsche viel Spaß hier 😉

  2. Hallo Andreas,

    ich mag deinen Blog total und habe ihn vor ein paar Jahren schon verfolgt. Zwischenzeitlich hast du ja mal eine Pause eingelegt. Aber du wolltest doch wiederkommen oder nicht?

    Passiert denn noch etwas oder hast du das Projekt rund um das Mittelalter gänzlich aufgegeben?

    Liebe Grüße
    Melli

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