Kürzlich habe ich in einem Forum zum Thema “Mittelalter” über “Marktsprech” diskutiert.

Für alle, die mit dem Begriff “Marktsprech” jetzt nichts anfangen können mal eine kleine Erklärung:

Auf Veranstaltungen zum Thema Mittelalter sprechen die Darsteller, Händler, Gaukler und auch mancher Besucher meist eine eigene, etwas seltsam anmutende Sprache. Bei einer Darbietung wird von einem Herold zum Beispiel das “Volke” aufgefordert die Darbieter mit einem “…reichlich Handgeklapper” zu belohnen. Diese Art von Sprache wird “Marktsprech” genannt. Marktsprech ist eine Kunstsprache, es gibt einige, die haben dafür sogar eigene Regeln entwickelt. In dieser Sprache, die nach Alt-deutsch klingen soll, wird eben alles etwas aufgeblasen oder es werden fantasiereiche und lustige Worte für etwas ganz gebräuchliches verwendet, wie z.B. “Afterballen” anstatt des allgemein üblichen “Arsches” als Begriff für das Hinterteil beider Geschlechter.

Für mich gehörte diese etwas andere Sprache immer zu einem Mittelaltermarkt dazu. Denn sie hat mir immer gezeigt, dass man sich jetzt in einer anderen Zeit befindet, was sowohl an der Kleidung, als auch an der Kulisse und zu guter Letzt auch an der Sprache zu erkennen sei. In dem oben genannten Forum gab es nun aber auch Darsteller, die diese Sprache scharf kritisierten. Denn so wurde auch im Mittelalter nicht gesprochen. Im Mittelalter sprach man Mittelhochdeutsch, dies ist in Schriften wie in der manessischen Liederhandschrift (um 1300) noch überliefert. Dies hört sich ungefähr so an:  ”

„Dû bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen:
verlorn ist daz slüzzelîn:
dû muost immer drinne sîn. “

Zitat von einem unbekannten Verfasser, wird aber auch oft Walter von der Vogelweide zugeschrieben. Der Text stammt aus einem Lied der hohen Minne.

Tatsächlich kommen wohl noch einige plattdeutsche Dialekte so einigermaßen an das Mittelhochdeutsch heran. Jedenfalls wird Marktsprech auch stark kritisiert: man gaukelt den Besuchern von Mittelaltermärkten vor, dass damals eine aufgeblähte Sprache in der man immer nur in der dritten Person gesprochen hat, gesprochen wurde. Das stimmt natürlich zum Einen. Zum Anderen denke ich aber: wenn die Darsteller auf Mittelalterveranstaltungen sich wirklich die Mühe machen würden und  Mittelalterhochdeutsch zu lernen… dann würde man als Besucher ja garnichts mehr verstehen. Ich sehe hier schon einen Markt für diese kleinen Übersetzungscomputer, die man in Museen bekommt und mit denen man manchmal auch Japaner in den historischen deutschen Innenstädten herumlaufen sieht. Die Protagonisten reden in original Mittelhochdeutsch und die Übersetzung kommt direkt auf japanisch, südsuhali, mandarin oder vochelsbercher-Platt aus dem Gerät ;-)

Nein, soweit wollen wir natürlich nicht gehen. Fakt ist jedenfalls: das was die heute so auf Mittelalter-Veranstaltungen sprechen, wurde im Mittelalter so nie ausgesprochen. Man versucht mit dieser Kunstsprache lediglich dem Besucher ein Gefühl von einer vergangenen Zeit zu geben, indem man eben einfach anders spricht als im normalen Büroalltag. Und übrigens: die Gewänder, die man da trägt, die sind auch im 20. oder 21. Jahrhundert erst geschneidert worden und stammen so auch nicht aus dem Mittelalter. Lediglich der Schnitt der Kleidung ist der von mittelalterlichen Kleidungsstücken nachempfunden. Zum Glück, denn das wäre dann doch eine etwas große Geruchsbelästigung für die Besucher, wenn plötzlich jeder Darsteller mit Originalkleidung herumlaufen würde.

Letztlich bleibt es jedem Darsteller aber selbst überlassen, ob er lieber in eine etwas andere Sprechweise verfällt oder alles in “normalem” Hochdeutsch erklärt und erläutert. Es wäre aber schön, wenn Besucher von Veranstaltungen hier als Kommentar auch einmal ihre Meinung unter diesem Beitrag abgeben würden.

Ein kleines Bild habe ich hier auch noch anzufügen, dies spricht allerdings (in hochdeutsch, sowie in Marktsprech) für sich:

Marktsprech ja oder nein? Das ist hier die Frage

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Sonntag, März 6th, 2011 um 21:37 Uhr und ist abgelegt in der Kategorie Allgemein, Infos und Fakten zum Mittelalter. Du kannst auf diesen Eintrag verlinken über den RSS 2.0 feed. Du kannst diese Seite hier, or trackback auf deiner eigenen Webseite verlinken.

5 comments so far

Kathrina
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 1 

Der kurze Versspruch, den du da zitierst, ist übrigens in Mittelhochdeutsch, nicht in Althochdeutsch. Generell wurde im Mittelalter eher Mittelhochdeutsch gesprochen.
Lg

April 25th, 2011 at 20:25
Thomas Kruchten
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 2 

“Marktsprech” finde ich sehr schön bei Spielleuten oder Narren, die auf sich aufmerksam machen möchten.

In vielen anderen Situationen ist es einfach unglaubwürdig.
Ein einfacher Bauer, der sein Brot anbieten möchte, sollte sich nicht so ausdrücken.

Wer einen passenden Dialekt beherrscht, kann diesen ruhig anwenden. Alle anderen sollten einfach Hochdeutsch sprechen und nur die neumodischen Begriffe weglassen.

Natürlich sind wir auf Mittelaltermärkten nicht unbedingt auf ein reales Bild bedacht.
Da kann es schon mal vorkommen, dass neben einem Ritter aus dem 12. Jahrhundert ein Highlander mit Kilt auftaucht, das erst im 18. Jahrhundert erfunden wurde und direkt daneben jemand mit T-Shirt und einer Hello-Kitty Handtasche…

Aber mal angenommen ihr tragt die Gewandung eines einfachen Knechtes, was wäre euch lieber?
Ein Händler der zu euch kommt und sagt: “Edler Herr, darf ich euch einen Kelch dieses Weines anbieten? Oh kostet nur, dieses edle Getränk!”
oder ein einfaches: “Wollt ihr einen Becher Wein? Nur 3 Taler! Bitte Herr, meine Kinder haben heute noch nichts gegessen.”

Ich finde die zweite Variante einfach passender. Im Mittelalter hat sich das einfache Volk nun mal auch der Bauernsprache bedient während der Adel eher Latein sprach, wenn ich nicht irre…
Man kommt sich dennoch in eine fremde, eine andere Welt versetzt vor. Alles aus Holz und Stoff, eigenartige Namen für Essen und Getränke, die Gewandungen… nur dass dieses Bild nun nicht mehr durch unglaubwürdige Sprache gestört wird.

Irgendwie erinnert mich diese Kunstsprache doch sehr an das Kuschel-Rollenspiel das man häufiger bei LARP-Veranstaltungen antrifft.
Wenn jeder einfache Bauer oder Barbarische Krieger spricht wie ein König, muss ich einfach nur Lachen und weiter meines Weges ziehen…

August 10th, 2011 at 15:21
Kai
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 3 

Der Ausdruck “Marktsprech” war mir total neu, gibt sogar bei Wikipedia was dazu. Danke für das Stopfen einer Wissenslücke ;)

August 12th, 2011 at 15:55
Andreas
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 4 

So, erstmal vielen Dank für die Mails und Hinweise bezüglich des “Althochdeutsch”, welches ich irrtümlicherweise hier verwendet habe. Ich habe den Fehler eingesehen und den Text eben auch entsprechend geändert. Danke aber auf alle Fälle fürs Feedback.

September 8th, 2011 at 21:10
Nareen
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 5 

Also ich bin immer wieder gerne Besucherin solche MA-Märkte und interessiert in Geschichte. So ein Markt hat für mich eher die Bedeutung einen Tag aus dem Alltag in eine andere Zeit zu entfliehen und daher finde ich es völlig überzogen den Darstellern, die aus der selben Zeit wie wir stammen, solch Wissenschaften auferlegen zu wollen.
Mittelhochdeutsch muss man erst lernen. Entweder durch Bücher (weiß nicht ob es sowas gibt) oder durch Kurse (auch keine Ahnung davon) auf jeden Fall wäre es für Hobby-Darsteller ein viel zu großer Aufwand. Ich selber nutze auf dem Markt auch das Marktsprech und mir ist es ehrlich gesagt egal, ob mir ein einfacher Händler ein ‘edles Getränk’ oder einen ‘Becher Beerenwein’ anbietet.

“Natürlich sind wir auf Mittelaltermärkten nicht unbedingt auf ein reales Bild bedacht.
Da kann es schon mal vorkommen, dass neben einem Ritter aus dem 12. Jahrhundert ein Highlander mit Kilt auftaucht, das erst im 18. Jahrhundert erfunden wurde und direkt daneben jemand mit T-Shirt und einer Hello-Kitty Handtasche…” (Thomas Kruchten) -> da mag ich nichts mehr hinzufügen.

März 14th, 2012 at 13:19

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