Eine mittelalterliche Hochzeit

Wir schreiben den 25.06. im Jahre des Herrn 1312 anno domini.

Das Volk, die Verwandten und Freunde haben sich bereits vor der St. Petrikirche versammelt. Da tritt das Brautpaar, ein Markgraf und seine holde Dame in die Mitte des Kreises, den die Anwesenden vor dem Hauptportal der Kirche gebildet haben. Der Pfarrer tritt mit seinem Novizen hervor und spricht die Worte zur Trauung.

Das Brautpaar gibt sich das Ja-Wort unter freiem Himmel. „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Danach segnet der Pfarrer die Gemeinde und das Brautpaar und gemeinsam zieht man in die Kirche ein und feiert dort einen Gottesdienst.

Nach der Trauung begibt sich der Zug der Hochzeitsgäste, angeführt vom Brautpaar in die nahe gelegene Burg. Dort feiert man in der geschmückten Halle und dem Rittersaal ausgiebig. Es gibt leckeres Essen, Braten vom Schwein usw. und Bier und Wein.

Gegessen wird aus Tellern aus Brot, einem ausgehölten Brotleib der sowohl für die flüssigen als auch die festen Speisen sowie Soßen diente.

Getrunken wurde aus Bechern aus Ton oder Holz.

Eine Hochzeit im Mittelalter setzte sich aus verschiedenen Rechtsakten zusammen: der Trauung, der Heimführung (und der Feier und dem Essen), danach folgte zu späteren Stunde die Beschreitung des Ehebettes und die Darreichung der Morgengabe. Im Mittelalter wurde der Begriff „Hochzeit“ allerdings noch für alle hohen, kirchlichen Feiertage verwendet. Da an diesen Feiertagen, besonders an Pfingsten besonders gerne geheiratet wurde (da hatte einfach auch jeder Zeit…) verschmolzen die Begriffe schließlich und heute sagt man einfach Hochzeit zu einer Trauung mit anschliessender Feier. Die anschließende „Beschreitung des Ehebettes“ musste im Mittelalter noch unter Zeugen durchgeführt werden, dieser Akt machte die Ehe endgültig rechtskräftig.

Und wie kam es im Mittelalter zu einer Hochzeit? Nunja, das romantischste, was wir uns so vorstellen ist natürlich, wenn der Ritter über die Wiese galoppiert kommt, sich schon beim Reiten in die holde Burgdame auf den Zinnen der Burg verliebt, ihr den Hof macht mit Minnegedichten (ihr ein paar besiegte Wikinger zu Füßen legt!?), ihr ein Ständchen singt (wer macht denn sowas?) und sich die beiden unsterblich ineinander verlieben…

Die Realität im Mittelalter sah wahrlich etwas anders aus. Sicher gab es auch die romantische, von mir eben beschriebene Version, das war aber leider nur die Ausnahme. Die Realität sah im Mittelalter anders aus: Ehen wurden schon in frühster Kindheit von den Eltern oder Verwandten der zukünftigen Brautleute arrangiert. Die Adelshäuser nutzten solche Ehen um verwandtschaftliche Bindungen zu festigen, mehr Land und Besitztümer aufzuhäufen und ihre Macht auszubauen. Das Alter der zur Heirat-ausgesuchten spielte dabei fast keine Rolle. Eigentlich galten im Frühmittelalter mit dem 13. Lebensjahr als heiratsfähig, im Spätmittelalter dann mit 15 bis 18 Jahren. Aber ich sagte: eigentlich. Denn die Adelshäuser hielten sich da nicht immer dran. Der kleine Prinz Henry Plantagenet (England), der ältere Bruder von Richard Löwenherz, wurde im Alter von 5 Jahren mit der zweijährigen Tochter des französchischen Königs Ludwig VII vermählt. Die Kinder hatten sich damals den Willen der Eltern zu fügen und wurden mit der „besten Partie“ schon in frühster Kindheit versprochen oder sogar schon verheiratet. Liebe kam in dem meisten mittelalterlichen Ehen daher wenn überhaupt erst nach der Hochzeit auf…

Deshalb bleiben wir lieber bei unserer romantischen Mittelalterhochzeit und schauen uns lieber noch ein paar Bilder an:

Unserem Brautpaar wünschen wir jedenfalls alles Gute!

Auch die (Ehe)Ringe im Mittelalter sahen etwas anders aus als heute. Unser Paar hat sich diese Ringe (Originalrepliken aus dem 12. Jahrhundert, ausgestellt im British Museum London) ausgesucht:

So wie oben beschrieben und auf den Bildern dargestellt könnte eine Hochzeit im Mittelalter stattgefunden haben, wir hätten es jedenfalls genau so gemacht 😉

Vielen Dank

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10 Antworten auf „Eine mittelalterliche Hochzeit“

  1. Syed gerüßt, ich habe ein riesen problem. Ich, wir , wollen mittelalterlich heiraten. alles soweit klar. mir fehlt eine heidnische priesterin und ein progamm drumherhrum, Spielleute ect.
    die Hochzeit findet am 13.07.2012 statt. zu dem termin habe ich bis jetzt niemanden finden können.vieleicht kann mir hier jemand weiterhelfen. die feier findet in berlin statt.
    danke im voraus und gehabt Euch wohl 😉

  2. Ach, das sieht nach einem wunderbaren Tag aus. Finde es nur schade, dass die Kirche einen barocken (?!?) Altar hat und aktualisiert wurde. Aber das wäre vermutlich kaum möglich gewesen.
    Frage: Gibt es eine Kirche, die für Trauungen verfügbar ist und nur wenig sichtbare Erneuerungen nach 1500 hat? Mir selbst fällt im Moment keine ein.
    LG, Martina

    1. Hallo susanne,ich hätte interesse an eine freie zeremonie.wie kann ich dich am besten erreichen?ist es für dich auch möglich 2 frauen zu verheiraten?

      Liebe grüße
      jacqueline

  3. Hallo ich habe eine Frage mein Sohn möchte im August heiraten und ich möchte für ihn und seine Frau eine Hochzeitskarte selber gestalten da die beiden sich sehr für Mittelalter interisieren sollte es in die richtung gehen habt ihr da eine Idee wie man das machen könnte und wo ich das Material her bekomme .Danke

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