Hallo, nach der lustigen Bildergeschichte im letzten Beitrag, jetzt wieder mal was etwas in die ernstere Richtung. Es geht wieder einmal um die Mittelaltermärkte.
Vor Kurzem war bei uns in Poppenhausen der “2. Rhöner Brot- und Biermarkt “. Der war vor allem deshalb toll, weil wir nur aus der Haustüre gehen mussten und schon mitten drin waren. Der Besuch dieses “normalen” Marktes hat mich aber dann doch mal ins Grübeln gebracht. Wenn ich den Brot- und Biermarkt nämlich mal mit dem letzten, von mir besuchten, Mittelaltermarkt vergleiche, dann stellen sich mir doch einige Fragen. Vor allem die Frage, wohin die “Mittelalter”-Märkte gerade steuern ist mir da sehr in den Sinn gekommen.
Aber vergleichen wir doch mal: zunächst mal: Eintrittspreis. Auf dem Mittelaltermarkt: 5,- Euro. Auf dem Biermarkt: 0,- Euro. Oha, denkt man da jetzt. Aber dafür wurde einem bei dem Mittelaltermarkt ja sicher mehr geboten, schließlich hat man Eintritt gezahlt. Naja, weit gefehlt. Was wurde einem auf dem Mittelaltermarkt geboten? Ein paar Typen mit freiem Oberkörper die auf einem Dudelsack (ja, es war wirklich ein DUDELsack und keine Sackpfeife!) das mittelalterliche Lied “Yellow Submarine” (oder war das vielleicht doch nicht mittelalterlich??) fehlerfrei nachspielen konnten. Ich glaube, “We will rock you” gehörte auch noch zum umfangreichen Repertoire. Super. Auf dem Biermarkt erklang zünftige “Biermusik” des Musikvereins Cäcilia, das passte zum Ambiente und die hatten auch keine freien Oberkörper.
Kommen wir mal zum eben schon angesprochenen Ambiente. Was gabs denn so auf dem Mittelaltermarkt zu sehen? Ja, da waren die vielen Lagergruppen, die dort ihre Lager und Zelte aufgeschlagen haben. Leider ist es wohl auch in der letzten Zeit in der Szene Sitte geworden, dass man sein Zelt, sein Schwert, seine Kochstelle mit einem möglichst abschreckend aussehenden Zaun gegen neugierige Besucher absichert. Warum eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen ist, dafür Stacheldraht herzunehmen, damit es auch ja kein Besucher wagt diese heilige Absperrung gar zu übersteigen, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Naja, man kann ja auch von der Absperrung aus zuschauen, was die da so in ihren Zelten bzw. unter ihren Sonnensegeln machen… und was machen die da? Ja.. eigentlich garnix. Wenn man zu richtigen Uhrzeit kommt (meistens so um die Mittagszeit), dann kann man vereinzelte Exemplare der Gattung homo gromius (der gemeine Mittelalterfan) evtl. sogar im Rudel bei der Nahrungsaufnahme beobachten. Das wäre dann aber schon ein großes Highlight. Auf die Idee, sich mal zur Absperrung zu begeben, wo ja der Besucher schon seit ein paar Minuten angestrengt versucht zu erkennen, was da unter dem Sonnensegel getrieben wird und den Besucher evlt. anzusprechen, sprich eine Kommunikation aufzubauen, ist an diesem Tag aber niemand gekommen. War auch schon nachmittags. Vielleicht lags daran.
Andres auf dem Biermarkt. Da gabs eigentlich überall Stände und Zelte wo einem jeder gleich was zeigen oder anbieten wollte. Ok, die wollen ihre Produkte da auch verkaufen, aber immerhin.
Jetzt mal zum wichtigen Teil: dem Essen. Ich mag das ja bekanntlich, also das Essen. Von daher kann man schon sagen, dass ich zumindest auf DEM Gebiet Experte bin. Also was gabs zu essen? Auf dem Mittelaltermarkt: gegrillte Fleischspieße, bei einem Anbieter, der sich passender Weiße “der Spießer” nannte. In der Mittelalterszene sind wir auch so kreativ, dass wir tollen Dingen außergewöhnliche Namen geben, deshalb sind das keine Grillspieße sondern Ritterspieße. Ich gebe zu, von der Wortschöpfung her ist das ein wenig unglücklich gewählt, könnte man hier doch der Annahme verfallen, es wären Teile eines Ritters aufgespießt worden. Wahrscheinlich orientiert sich der Name aber an der angestrebten Kundschaft: den Rittern. Zudem gabs auch leckere Brote mit Knoblauch und so weiter. Geschmacklich war das sehr gut, muss ich sagen. Bis man sieht, was es kostet: Ritterspieß: 5,- Euro (aufsteigen), Knoblauchbrot: 5,- euro.. achso, Sie möchten noch 7-8 kleine Speckwürfel draufhaben? Ja, dann macht das 5,50 Euro für EIN (in Zahlen: 1) Knoblauchbrot. Nein, das war kein ganzer Laib Brot mit 5 ganzen Knoblauchzehen drauf. Das war.. so ein kleines Ding.. vielleicht so groß wie ein BigMac. Möglicherweise sind in den gezahlten 5,50 Euro für ein solches Knoblauchbrot auch noch 40% Aktienanteile an der Verkaufsbude des Verkäufers enthalten, aber darauf hat man mich wohl vergessen hinzuweisen.
Und jetzt ratet mal, was ein Knoblauchbrot auf dem Biermarkt gekostet hat? Ja.. gut geraten: 1,50 Euro. Und der Verkaufsstand auf dem Biermarkt, wo es die Brote gab, war jetzt optisch nicht schlechter als der auf dem Mittelaltermarkt. Festzustellen ist ein krasser Preisanstieg bei Knoblauchbroten im Mittelalter. Das liegt sicher daran, dass der Knoblauchkurs im Mittelalter noch sehr hoch war…
Aber wir stellen fest: Essen auf Mittelaltermärkten: sehr teuer. Vielleicht kann mir irgendwann mal jemand erklären, warum das so ist, verstehen kann ichs absolut nicht.
Was für das Essen gilt, gilt leider auch für die Getränke. Bier auf MA-Markt im Durchsnitt: 5,- Euro für 0.33 l. Bier auf dem Biermarkt: 2,70 Euro. Das Lustige dabei ist: auf den Mittelaltermärkten kommen findige Bierverkäufer ja auf die Idee, ihr Produkt noch mit diversen Zusätzen zu “verbessern”. Da gibt es dann ein “Kirschbier”, ein “Metbier” usw.
Haltet Euch fest, denn jetzt kommt der Knaller: auf dem Biermarkt gabs Bier, das ist nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut. Irgendwie lustig, oder? Auf dem Biermarkt war das Bier mittelalterlicher als auf dem Mittelaltermarkt.
Warum gehe ich jetzt so auf Mittelaltermärkte los? Weil ich langsam glaube, dass der Name “Mittelalter” langsam viel zu kommerziell ausgenutzt wird. Versteht mich nicht falsch, ich war schon auf vielen Mittelaltermärkten, die wirklich klasse waren. Es gibt diese Märkte auch noch, man muss sie nur finden. Man kann für 5,- Euro Eintritt wirklich gut unterhalten werden, man kann auf solchen Mittelaltermärkten in Zelte schauen, darf Schwerter anfassen (wenn man vorher fragt!), wird von Ritterkämpfen und Theaterstücken unterhalten. Auf solchen Märkten begegnet man Musiker, die ohne Mikrofon und technischen Kram einfach mal vor den Zelten stehen bleiben und ein Stück auf ihren Lauten, Drehleiern und Flöten speilen und dabei auch ohne technische Verstärker so laut singen, dass man sie weit über den Markt hört. Es gibt noch Lager, die sich nicht hinter Zäunen verstecken, dort kann man in die Zelte reinschauen und den Darstellern über die Schulter schauen. Und ist dabei ein gern gesehener Gast. Es gibt sogar noch günstige Stände, die eine Grundverpflegung für wenig Geld anbieten, ich habe sie gesehen.
Doch zunehmend scheinen mir “Mittelalter”-Märkte aus dem Boden gestampft zu werden, die wohl nur ein Ziel haben: mit wenig Einsatz maximalen Gewinn zu erzielen. Das ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch nicht mal verwerflich, sondern ein durchaus kaufmännisches Vorgehen. Jedoch bin ich der Meinung, man darf damit den Namen “Mittelalter” nicht zu teuer verkaufen.
Sicher kann sich auch jeder selbst ein Bild von der aktuellen Situation machen. Die wirklich guten Märkte zu finden, wird meiner Meinung nach, immer schwerer.
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